Reisebericht von Agi - Teil III
Teil I Teil II Teil III

Ramazan kennen wir, wie die anderen Ladeninhaber bei denen wir einkaufen, bereits seit 18 Jahren. Damals hatte er einen der der alten Läden am Dolmusbushof, die abgerissen wurden, und neuen, schöneren Geschäften Platz machen mussten. Im ganzen Bazar gibt es jetzt einheitliche Sonnen- Regendächer, alles ist aufgeräumt, und die Ware darf nicht mehr vor der Tür angeboten werden. Uns hat es früher besser gefallen, aber die Stadtverwaltung in Alanya versucht mit aller Macht ein neues Image aufzubauen. Es soll alles moderner und weltstädtischer sein. Wir meinen, dass die Urlaubsorte dadurch ihre Ursprünglichkeit verlieren, und austauschbar werden.
Aber wieder zurück zu Ramazan. Er hat uns seit Jahren von einem Wasserfall hinter Gündogmus erzählt. Den würden wir in der Nähe seines Dorfes finden. Dass der Wasserfall 25 km hinter Gündogmus liegt und es bis zu seinem Dorf dann noch mal 45 km sind, sagte er uns nicht. Wir hätten genauer nachfragen sollen, weil wir wissen, dass Zeit und km Angaben in der Türkei meist nie so genau sind. Genau wie die Ausschilderung, die uns schon des Öfteren auf fast unbefahrbare Straßen, aber zu wunderschönen Orten geführt hat. Wir machten uns also nach dem Frühstück auf in Richtung Güselbag und dann weiter nach Gündogmus. Die Straße schraubte sich den Berg rauf, und auch hier war eine angemessene, d.h. langsame Fahrt angesagt. Der Straßenbelag war im Vergleich zu dem im Dimcaytal wie der einer Autobahn, aber die Straße war fast immer nur knapp zweispurig, mit vielen Kurven und ohne Leitplanken. In dem teilweise bewaldeten Gebiet war es wesentlich kühler und sehr angenehm.
Wir fragten in Gündogmus nach dem Selale =Wasserfall, und man wies uns die Straße nach Köprülü. Nach ca. 25 km hörten, und sahen wir den Wasserfall, aber keine Straße die dahin führen könnte. Also fuhren wir weiter, in der Hoffnung, dass ein Schild die Zufahrt ankündigt. Inzwischen passierten wir das Dorf Köprülü, und die Straße die aus dem Dorf heraus führte, sah nicht mehr Vertrauen erweckend aus. Also gewendet und im Dorf noch mal nach dem Wasserfall gefragt. Wir waren anscheinend schon zu weit gefahren und fuhren fast auf der gleichen Straße zurück. An einem Bakal/Büfe mit Brunnen hielten wir an und fragten noch mal. Der Betreiber zeichnete uns den Weg mit Kilometerangaben auf einem abgerissenen Kalenderblatt auf. Wir bestellten eine Cola und ein Su = Wasser. Die Cola kam sofort und für mein Wasser verwies mich der gute Mann an den Brunnen. Also hab ich auch ne Cola getrunken, was sowieso besser für mich war, wegen dem Zuckergehalt, weil die Fahrt doch anstrengend war.
Wir hielten uns an die Zeichnung auf der die Kilometerangaben stimmten, und tatsächlich, bei dem eingezeichneten, aber geschlossenen Cafe Servet hing auf der Gegenseite an einem Bäumchen, ein kleines Schild (ca. 4 x 20 cm) mit der Aufschrift „Waterfall“, das wir beim vorbei fahren nicht gesehen hatten. Von hier aus war es dann nur noch 1 km zum Selale.

Wir waren sehr erstaunt, einen gepflegten, aber geschlossenen Parkplatz und eine augenscheinlich neu errichtete Anlage mit Schlagbaum und Wärterhäuschen vor zu finden.

Das Wärterhäuschen war nicht besetzt, und die Schlagbäume geschlossen. Also stellten wir den Wagen vor den Schlagbäumen ab, und kraxelten den Weg zum Wasserfall hinunter. So kamen wir auf Umwegen in die Anlage, wo zwei Männer mit Rasenpflege beschäftigt waren.
Einer der beiden kam uns entgegen, und antwortete auf unsere Frage ob geschlossen wäre, mit einem freundlichen, lauten „Acik“. Also doch irgendwie geöffnet, auch wenn es für uns so nicht zu erkennen war. Er fragte uns ob wir Forellen essen wollten oder was trinken. Eine Preistafel hing an einem Baum. Wir kauften uns zwei Limonaden und machten wunderschöne Fotos.

Nach ca. einer halben Stunde an dem kühlen, lauten Wasserfall verabschiedeten wir uns. Wir wurden noch gefragt, ob wir nicht ein Mittagsschläfchen in einem der Pavillons auf schönen Kelimkissen halten wollten. Das haben wir mit Hinweis auf die Rückfahrt aber dankend abgelehnt.
Dieser Wasserfall ist einen Ausflug wert. Wer hin will nimmt in Konakli die Straße nach Gündogmus und sollte ca. 25 km hinter Gündogmus, beim Servet Cafe nach links abbiegen. Wir können uns allerdings nicht vorstellen, dass man dort hinauf Touristen in Bussen karrt. Es sieht mehr nach einem Naherholungsgebiet für einheimische Familien aus, die ja gern an so wunderschönen Orten ein Picknick veranstalten.



Wieder in Alanya sind wir zu Ramazan um uns für diesen Ausflugstipp zu bedanken. Ramazan war nicht im Laden, aber einer seiner Brüder. Der zeigte uns auf dem PC herrliche Fotos von einem Familientreffen in der Yayla. Wären wir hinter Köprülü noch 45 km weiter gefahren, hätten wir sein Dorf erreicht und eine traumhaft schöne Hochebene.
In unserem nächsten Urlaub werden wir uns das, was wir auf den Fotos gesehen haben, in natura anschauen. Natürlich mit Zwischenstopp zum Forelle essen, an dem Wasserfall.
Dass war natürlich nicht der ganze Urlaub, sonder nur die Hight-lights.
Wir haben noch einige kleinere Ausflüge in die Gegend zwischen Alanya und Antalya gemacht, die uns nicht erwähnenswert schienen. Sollte uns hierzu noch was einfallen, werden wir das nachtragen.